Neue Genanalyse: Ötzi war vermutlich dunkelhäutig und hatte eine Glatze
Vor wenigen Tagen hat ein Forschungsteam aus Deutschland, Italien und Österreich eine neue Studie veröffentlicht, wonach der Mann aus Hauslabjoch, ganz anders ausgesehen haben könnte, als bisher angenommen.
Die im Fachblatt "Cell Genomics" veröffentlichen Ergebnisse basieren auf einer modernen Genomanalyse.
Die Wissenschaftler entnahmen zwei Proben des linken Beckenknochens und des umgebenden Gewebes für eine Serie von jeweils vier Extraktionen.
Die Sequenzierung des Erbguts zeigt, dass das Genom von Ötzi zu mehr als 91 Prozent von anatolischen Zuwanderern aus dem Nahen Osten stammt. Die übrigen knapp neun Prozent stammen von europäischen Jägern und Sammlern.
Im Gegensatz zu früheren Analysen, die mit dem Eismann-Genom durchgeführt wurden, fand das Forscherteam keine Beweise für eine steppenbezogene Abstammung. So beschreiben die Wissenschaftler sein Erbgut als genetische Mischung aus europäischer Jäger-Sammler-Abstammung und frühneolithischer Bauern-Abstammung.
Dass die 2012 veröffentlichte Erbgut-Analyse Spuren dieser Zuwanderer fand, führen die Experten nun auf Verunreinigungen der damals untersuchten DNA zurück.
Das Ötzi-Genom mit hoher Abdeckung weist eine Kontamination von 0,5 % ± 0,06 % auf, 10-mal weniger als die Kontamination der zuvor veröffentlichten Genomsequenz3 (7,5 % ± 0,25 %).
Dies passe laut Studie auch besser zur Chronologie, denn diese Viehhirten nördlich des Schwarzen Meeres erreichten Mitteleuropa erst vor etwa 4900 Jahren - weit nach Ötzis Tod.
(Bild: Werkzeuge, die bei der Mumie gefunden wurden)
Der Gletschermann hatte Blutgruppe 0 und sich mit Borreliose infiziert. Gemäß früheren Genanalysen, die jetzt nochmals bestätigt wurden, hatte er braune Augen. Doch bisher wurde davon ausgegangen, dass Ötzis Körper aufgrund der langen Liegezeit kaum Spuren von Haaren zeigte.
Als Mann im fortgeschritten Alter hatte Ötzi laut Test mit hoher Wahrscheinlichkeit kein so langes und dichtes Haar wie bei den bekannten Rekonstruktionen. Seine Gene zeigen eine Veranlagung zur Glatzenbildung, was auch erklären könnte, "warum bei der Mumie fast keine Haare gefunden wurden", so Albert Zink vom Institut für Mumienforschung in Bozen und Mitautor der Studie.
Die Analyse ergab auch, dass Ötzi eine dunklere Hautfarbe hatte. "Wahrscheinlich ähnelte sein Hautton demjenigen der heute in Nordafrika oder Andalusien lebenden Menschen", sagt der Archäogenetiker Prof. Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.
(Bild: Berglegende Reinhold Messner und Archäologe Walter Leitner besuchen anlässlich des 30-jährigem Jubiläums die Fundstelle)
Ötzi war mit etwa 1,60 Metern für seine Zeit durchschnittlich groß, wog um die 50 Kilogramm und hatte etwa Schuhgröße 38. Er trug Lederschuhe mit einfachem Profil und seine Kleidung bestand vor allem aus Fell und Leder, wie unter anderem der SWR beschreibt.
(Bild: Nachbildung des Rucksacks, den Ötzi bei sich trug)
Bei seinem Tod war der Mann aus dem Eis etwa 46 Jahre alt und hatte höchstwahrscheinlich kurz zuvor getrocknetes Steinbockfleisch gegessen.
Eine Röntgenuntersuchung nach seiner Entdeckung ergab, dass eine Pfeilspitze sein linkes Schulterblatt durchbohrt hatte. Ob das letztendlich die Todesursache war und ob es sich um einen Mord oder Unfall handelte, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.
Während die Erbanlagen eindeutig analysierbar sind, ist das Forschungsteam bei Ötzis Aussehen etwas zurückhaltender. Denn es gibt keine wissenschaftliche Gewissheit über die Wahrscheinlichkeit, ob, wann und in welchem Ausmaß sich Erbanlagen zu Lebzeiten eines Menschen zeigen.
(Schauspieler Jürgen Vogel wird für die Hauptrolle im Film "Iceman- Die Legende von Oetzi" geschminkt)
Am 19.09.1991 entdecken deutsche Urlauber beim Wandern in den Ötztaler Alpen eine Mumie. So bekam der Gletschermann seinen Namen und war zu diesem Zeitpunkt die älteste Mumie der Welt.
Ötzi wurde zu einem Fall für die internationale Spitzenforschung. Schon wenige Tage später veröffentlichte der Prähistoriker Konrad Spindler erste Erkenntnisse zu Ötzi.
Die Gletschermumie befindet sich im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen. Die Bilder und Rekonstruktionen zeigen Ötzi mit langen Haaren und heller Haut. Dies soll vorerst auch so bleiben, wie die Museumssprecherin Katharina Hersel gegenüber der dpa sagte.
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